Nur ein weiterer Fotoblog?

Warum?

Mehr und mehr lassen wir uns von bewegten und unbewegten Bildern überfluten. Kino, TV, PC, Handy und Tabletts zeigen uns Bilder. Der Konsum von Bilderwelten vertreibt die Zeit. Oft werden Filme, Fotos, Zeichnungen und Gemälde gar nicht bewusst wahrgenommen, sondern auf dem Touchscreen einfach schnell weggewischt, wenn vom Unterbewusstsein nicht sofort irgendein Trigger registriert wird. Das Betrachten von bildlichen Darstellungen kann aber auch zum Nachdenken anregen, inspirieren oder bewusste Freude erzeugen. Dazu muss man sich auf ein Bild bewusst einlassen, sich Zeit nehmen. Das gilt nicht nur für das Betrachten von Bildern, sondern mehr noch bei ihrer Schaffung.

Was ist Fotografie?

Fotografie kann vieles bedeuten. Wir kennen unzählige Schubladen: Farbfotografie, Schwarz-Weiß-Fotografie, High-Key, Low-Key, Landschafts-, Stadt-, Street-Fotografie. Abstrakte Fotografie, ICM (Intentional Camera Movement) wären weitere Beispiele. Aber auch dokumentarische Fotografie, Sport- oder Kriegsfotografie wären noch weitere dieser Schubladen. Jeder, der Bilder mit der Kamera erschaffen will, findet hier etwas für sich. Aber natürlich kann man sich auch selbst eine Nische einrichten, was für einen selbst aber auch für die späteren Betrachter der Bilder vielleicht interessanter wäre, als immer nur Beispiele der altbekannten Schubladen zu sehen. Fotografie ist alles dies, aber vor allem ist Fotografieren eine kreative Tätigkeit.

Was ist Kunst?

Eine Frage auf die kaum eine endgültige Antwort zu erreichen ist. Ziel der dokumentarischen Zeichnungen von Pflanzen im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert war vermutlich nicht das Erschaffen von Kunst. Gefühlt genügen viele dieser Darstellungen heute aber den künstlerischen Ansprüchen ihrer modernen Betrachter.  Die ersten verfremdeten Darstellungen der Impressionisten bis hin zu abstrakten Werken beispielsweise von Pablo Picasso oder Anselm Kiefer sind für mich Kunst. Schon immer nutzte der Mensch die unterschiedlichsten Werkzeuge und Techniken, um Dinge und Kunst zu schaffen. Schweißgeräte aber auch der der eigene Körper, man denke an Tanz und Ballett, werden und wurden zu Schaffung von Kunst benutzt. Immer ging und geht es darum, sich auszudrücken. Dem Betrachter und teilweise auch dem Schaffenden selbst bleibt oft unklar, was den eigentlich zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Ist Fotografie Kunst?

Ob etwas als Kunst angesehen wird, sollte also nicht von den genutzten Materialien und Werkzeugen abhängig sein. Kunstwerke aus der Kamera und nach verschiedenen Bearbeitungsschritten im Labor oder in der Bildbearbeitungssoftware sind möglich. Wie in der gegenständlichen Malerei zeigen fotografische Bilder immer nur einen Ausschnitt der vom Menschen wahrgenommenen Umgebung. Maler und Fotograf entscheiden, was und wie etwas dargestellt wird. Mit solchen Entscheidungen beginnt ein kreativer, vielleicht auch ein künstlerischer Prozess. Der Betrachter eines Bildes, über das ein „Diorama“-Filter gelegt wird,  wo die Farben ins Extreme verstärkt werden und über das dann noch eine Vignettierung zum Einsatz kommt, mag ein Betrachter nicht als Kunst bezeichnen. Für den Fotografen waren die unterschiedlichen Arbeitsschritte aber durchaus ein künstlerischer Prozess.

Keine Antwort, stattdessen aber die Idee des Blogs:

Offenbar werden wir hier keine Antwort auf die Frage nach Kunst bekommen. Grundlagen für jede kreative Tätigkeit sind die Beherrschung der Werkzeuge und eine Vorstellung bestimmter „anerkannter“ Regeln. Von beiden Punkten sollte Wissen vorhanden sein, damit man Regel auch brechen kann und damit auch Werkzeuge anders verwendet werden können als üblicherweise. Mit diesem Blog möchte ich mich in beiden Richtungen bewegen:

Wie und warum verwende ich Kamera, Objektive und Software in einer bestimmten Weise?

Welche altbekannten Regeln verwende ich und warum?

Welche Regeln breche ich bewusst und warum?

Die Hauptsache ist bei allem die Freude an der Fotografie.