Alltagsfotografie. Daily Pics.

PROBLEM: ZEIT

Zu wenig Zeit für das Hobby. Auch Hobby-Fotografen kennen das Problem. Zum Bildermachen wartet man gerne auf das „richtige“ Licht und das „richtige“ Wetter. Wenn diese Elemente einmal passen, gibt es störende „Verpflichtungen“ wie Beruf oder Familie. Was kann man also tun, um nicht in Frustration darüber zu versinken, scheinbar nicht genügend Zeit für die Fotografie zu finden?

Auf Social Media finden sich  „Challenges“ wie „One Picture a Day“. Eine weitere Idee sind Fotos als eine Art Tagebuch zu verstehen oder sie als Element für sein Tagebuch zu verwenden. Problematisch bei solchen Konzepten könnte eine vorprogrammierte Enttäuschung sein. Viele werden es nicht schaffen, jeden Tag die Kamera dabeizuhaben und jeden Tag ein befriedigendes Bild zustande zu bringen.

Aber wie wäre es mit der Idee einer „Alltagsfotografie“? Mit dem Wort Alltag wird vermutlich niemand Perfektionismus verbinden und die Frustrationstoleranz wäre größer. Enttäuschungen wären weniger wahrscheinlich.

KAMERA ODER SMARTPHONE? WAS GERADE ZUR HAND IST

Mit Alltagsfotografie eröffnet sich die Möglichkeit, mit einfachsten Mitteln zu arbeiten. Das Handy trägt inzwischen jeder mit sich herum. Mit den meisten Smartphones lassen sich inzwischen technisch brauchbare Bilder aufnehmen. Jedes gemachte Bild ist besser als kein Bild und daher könnte man auch einmal sein Handy zücken. Schöner ist es vielleicht, eine einfache, kleine Kamera zu benutzen. Das Angebot an Kompaktkameras ist kaum überschaubar. Es muss im Alltag auch nicht unbedingt ein Vollformatsensor sein. MFT und APS-C sind kompakter und passen teilweise in die Jackentasche. Die Preise für solches Material sind nach oben offen. Aber auch zu günstigen Tarifen wird man fündig. Persönlich greife ich auch zu gebrauchten Kameras. Meist begleitet mich im Alltag eine kleine MFT-Kamera mit 16 Megapixeln mit einem Kit-Zoom.

Muss man im Alltag, wenn es schnell gehen soll, unbedingt in RAW fotografieren? Die meisten Kameras liefern heute brauchbare JPEGs, Handys sowieso. Dann hat man auch weniger mit der Nachbearbeitung zu tun. – Ich gebe aber zu, fast immer in RAW zu fotografieren.

Wenn die Hardware-Frage also ziemlich schnell zu beantworten ist, im Zweifel mit dem Handy, bleibt der interessantere Teil: die Motive im Alltag.

MOTIVE

Oft gehen uns Bildideen, verbunden mit bestimmten Orten, durch den Kopf. Man fährt in seiner Freizeit hin und fotografiert. Oder man widmet sich über einen längeren Zeitraum einer Zeitreihe. Man arbeitet meist zielgerichtet. Im Alltag geht es eher um Bilder, die sich zu Hause, bei der Arbeit oder auf den unterschiedlichen Wegen dazwischen und im näheren Umkreis oder Umfeld ergeben. Der Zufall spielt eine größere Rolle.  Es bilden sich aus Unspektakulärem, häufig Gesehenem neue, interessante Ansichten. Strukturen, Farben, Muster oder Objekte, die an Stillleben erinnern, entdecken wir zufällig auf dem Arbeitsweg. Auch auf dem Arbeitsweg: Löwenzahn am Wegesrand im Gegenlicht, der Sonnenaufgang im Verkehrsspiegel. Im Vorteil ist, wer zu Fuß gehen kann. Sicher ergeben sich auch Motive zwischen Parkplatz und Schreibtisch. Dann bei der Arbeit: Eine interessante Dopplung von roten Feuerlöschern vor den Grautönen eines Büros.  Teile von Produktionsanlagen im  warmen Sonnenlicht eines frühen Morgens. Schon zu Hause kann die Alltagsfotografie beginnen: der Frühstückstisch, der Schreibtisch, der Blick aus dem Fenster…

FAZIT

Fotografie kann die Monotonie des Alltags zu einer Art Fotowalk erheben. Mit der Beschränkung der Ausrüstung auf Einfaches und in diesem Sinn Alltägliches, gewinnt das Bildermachen eine Leichtigkeit, die beim “zielgerichteten” Fotografieren schnell verloren gehen kann. Im Alltag sind die Erwartungen weniger hoch, schließlich befindet man sich auf dem Arbeitsweg, auf dem Weg zum Supermarkt, hat also eigentlich ganz andere Ziele. Auch die Hemmschwellen sinken. Möglicherweise ist man beim Sichten der Ergebnisse nach einer Woche überrascht von dem einen oder anderen Bild. Vielleicht entdeckt man für sich sogar neue Themen oder neue Arten von Fotografie. Und wenn man es nicht schafft, jeden Tag ein Bild zu machen, ist es auch nicht schlimm. So ist der Alltag: mal geht es besser, mal schlechter, selten perfekt.