Fotografieren in den Ferien – Zeit für Experimente
Urlaub bietet die Gelegenheit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche, auf Dinge, die uns Freude bereiten. Gleichzeitig eröffnet sich ein zeitlicher Freiraum, Neues auszuprobieren. Diese längere Freizeit kann uns zeigen, wie es wäre, sich einige Tage hauptsächlich eigenen Interessen, eigener Kreativität und Fantasie zu widmen. Im Idealfall bewirkt diese Zeit einen Fortschritt im Ausdruck unseres Schaffens.
Zur Beurteilung eines Fortschritts sollte sich jeder fragen, welche Funktionen der Fotografie für uns wichtig sind:
Im Urlaub aber auch sonst wäre die Dokumentation von Sehenswürdigkeiten, Wetter, Stadt- und Landschaftsansichten sowie von Ereignissen, Veranstaltungen oder Festivitäten eine davon. Viele Erinnerungsbilder fallen in diese Kategorie. Auch wenn diese Art von Bildern als objektiv beschrieben werden kann, sind die Wahl von Ausschnitt, Perspektive, Belichtung und Schärfentiefe von den subjektiven Einstellungen des Fotografen oder der Fotografin abhängig.
Aufnahmen von Details bis hin zur Makrofotografie können ebenso noch als Dokumentar- oder Erinnerungsfotografie gelten. In alten Städten bieten sich dafür beispielsweise Türen und Eingangsbereiche, Fenster und Balkone, Heiligenfiguren von Kirchen oder Ornamente von Brunnen an. Deren Auswahl und bildnerische Komposition ist wiederum von der Sicht der Fotografen abhängig. Der Mann oder die Frau hinter der Kamera entscheidet jeweils individuell. Während die technische Abbildung objektiv bleibt, sind Auswahl und Inszenierung subjektiv. Sie bringen die Persönlichkeit der Bildschaffenden im Augenblick des Auslösens zum Ausdruck.
Ein paar Urlaubstage ermöglichen es, sich von den eher objektiven Abbildungen zu lösen und anderes zu versuchen. Gegenlichtaufnahmen, in denen Menschen nur als Silhouetten zu erkennen sind, zum Beispiel. Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Schattenaufnahmen. Bei Sonnenlicht am frühen Vormittag bilden Fußgänger auf glänzenden Bodenflächen klare Schatten. Zusammen mit einer gezielten Unterbelichtung entstehen monochrome Bilder mit fast abstrakter Anmutung wie im Bild oben.

Auch ein Spiel mit bewussten Unschärfen kann die Stimmung im Urlaub beschreiben. Der Touristentrubel kann ebenso wie Veranstaltungen und Umzüge mit Kamerabewegungen (ICM) betont werden. Auch die Arbeit mit Bewegungsunschärfen durch die Bewegung des Objekts bei längerer Verschlusszeit ohne Kamerabewegungen ist hier eine gestalterische Möglichkeit. (Motion Blur).

Mit Mehrfachbelichtungen (Multi Exposure) können unterschiedliche Ansichten und Details einer Stadt in einem Bild kombiniert werden. Sie wirken ähnlich wie diese Eindrücke im Gehirn gespeichert werden und erinnern in ihrer Kombination an Traumwelten. Aber auch unsere Erinnerungen verblassen und vermischen sich wie Mehrfachbelichtungen.
Wer im Urlaub öfters die gleichen Orte aufsucht, wird ein Gefühl für bestimmte Motive entwickeln. Mit ein bisschen Zeit finden Fotografen und Fotografinnen die für den Augenblick passende Aufnahmetechnik, die passende Perspektive und den passenden Ausschnitt. Mit Ruhe und all diesen Überlegungen können sich erholsame, meditative Momente ergeben, die sich schließlich auch in den Bildern widerspiegeln. Zuhause, beim Betrachten der Urlaubsbilder stellen sich dann bestenfalls erneut die Stimmungen aus den Ferientagen wieder ein. Das Anwenden neuer Aufnahmetechniken und damit vielleicht auch das Ausloten der Möglichkeiten der eigenen Ausrüstung entwickeln die eigene Fotografie weiter und stehen auch außerhalb des Urlaubs zur Verfügung. Vielleicht erreicht man für sich einen neuen Level in seinem Hobby.
